Klimabündnisfragebogenaktion zur

Erstellung einer CO 2 - Emissionsbilanz

 

 

Wieviel klimawirksames Kohlendioxid wird in unserer Gemeinde ausgestoßen? Wer sind die Hauptverursacher? Antworten auf diese und ähnliche Fragen können von einer Emissionsbilanz erwartet werden.

 

Methodik

Alle Klimabündnis-Gemeinden haben sich verpflichtet, die CO2 –Emissionen zu senken. Die Erstellung einer Emissionsbilanz ermöglicht es, die Erreichung dieses Zieles zu überprüfen. Zur Erhebung der spezifischen Daten der Marktgemeinde Markersdorf-Haindorf wählten wir die Erhebungsform der schriftlichen Befragung der Gesamtbevölkerung. Zu Vergleichszwecken werden statistische Daten (Amt der NÖ Landesregierung, ÖSTAT) herangezogen. Von den 650 möglichen Haushalten sind konkret die Daten von 382 Fragebögen in die Auswertung eingeflossen, von welchen auf die Gesamtsituation hochgerechnet wird. Bei einer Rücklaufquote von rund 59 % ist der statistische Fehler (durch Hochrechnung) vernachlässigbar klein.   

 

Warum sind die CO2-Emissionen von besonderer Bedeutung?

Kohlendioxid (CO2), das in fast jedem Verbrennungsprozeß in großen Mengen freigesetzt wird, trägt die Hauptlast an der Erwärmung des Erdklimas (Treibhauseffekt).

 

Wer verursacht die CO2-Emissionen in einer Gemeinde?

Die CO2-Emissionen einer Gemeinde werden im wesentlichen durch Verbrennung fossiler Energieträger zur Wärmeerzeugung sowie zum Antrieb der Fahrzeuge verursacht. Der Energieinsatz in privaten Haushalten – und hier vor allem im Raumwärmebereich – bildet meist den größten Einzelposten in der Energiebilanz einer Gemeinde.

 

HEIZUNG

 

Der Energiebedarf zur Nutzung von Raumwärme ist abhängig von:

-) Gebäudeart

-) Baualter

-) Wärmedämmung

-) Wohnnutzfläche

-) eingesetzte Brennstoffart

 

Diagramm 1: Art des Gebäudes

 

Unter Sonstiges sind kombinierte Nutzungen zusammengefasst, z. B. Landwirtschaftliche und gewerbliche Nutzung etc.

 

Diagramm 2: Errichtung bzw Sanierung des Gebäudes

 

Bei der Frage nach der Wärmedämmung gaben rund 41% eine sehr gute Wärmedämmung an, rund 45% eine gute und rund 14% eine schlechte Wärmedämmung.

 

Diagramm 3: Wohnnutzfläche

 

Die Ergebnisse bringen eine durchschnittliche Wohnnutzfläche von 123 m². Zum Vergleich dazu beträgt die durchschnittliche Wohnnutzfläche in NÖ 101 m2.

 

Diagramm 4: Heizmaterial

 

Anmerkung: Aufgrund von Mehrfachnennungen ergibt sich ein Gesamtprozentsatz von mehr als 100 %.

 

Im Vergleich zu den Durchschnittswerten von NÖ fällt die deutlich höhere Verwendung von Holz im positiven Sinne bzw. Öl im negativen Sinne auf. Bei Holzheizungen wird ca 87 % Stückholz verwendet, ca 11 % Hackgut und nur rund 2 % Pellets. Erfreulich ist der mit 6, 48 % relativ hohe Anteil alternativer Heizsysteme. 20 % der Haushalte heizen zumindest teilweise mit einem Kachelofen.

 

Berechnung des CO2-Ausstoßes (Raumwärme)

Für die Berechnung des Gesamtausstoßes wird die Menge des Heizmaterials mit dem Heizwert und dem Emissionsfaktor multipliziert.

 

CO2-Emissionsfaktoren nach Brennstoffarten

 

Brennstoff                                 Emissionsfaktoren (kg CO2 / kWh)

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------Holz                                      0, 00 (wird beim Nachwachsen des Waldes wieder gebunden)

Kohle                                       0, 36

Heizöl / Treibstoff                       0, 28

Erdgas                                     0, 20

Strom                                       0, 22 (Mittelwert für Österreich)

(Strom                                      0, 66 (aus kalorischer Erzeugung – Winterstrom))        

 

Holz ist das einzige CO2-neutrale Heizmaterial. Genauso wie beim natürlichen Verrotten von Holz wird auch beim Verbrennen von Holz CO2 freigesetzt. Dieses CO2 kann aber von den ständig nachwachsenden Bäumen wieder gebunden werden. Bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas (fossile Brennstoffe), die sich ebenfalls aus Pflanzen - allerdings vor Millionen Jahre - gebildet haben, kommt es zu einem zusätzlichen CO2-Ausstoß.

Dieser zusätzliche Ausstoß der fossilen Energieträger stört das natürliche CO2-Gleichgewicht zwischen dem in Pflanzen gebunden CO2 und dem frei in der Atmosphäre vorhanden CO2. In diesem Zusammenhang ist die Erhaltung der tropischen Regenwälder von Bedeutung, da dort sehr viel CO2 gebunden wird. Die Kombination der vermehrten Emissionen einerseits und die zunehmende Zerstörung der Regenwälder andererseits führt zu einem Anstieg des CO2 – Gehaltes in der Atmosphäre, welcher die Wärmeabstrahlung behindert und dadurch die Erwärmung der Erdoberfläche bewirkt.

 

Diagramm 5:  CO2-Ausstoß je Heizmaterial

 

Heizmaterial Verbrauch x Heizwert x Emissionsfaktor = CO2-Ausstoß in kg in Prozent
Öl 750 818 l 10 0,28 2 102 290 71,25 %
Gas 171 433 m³ 10,7 0,20 366 867 12,43 %
Kohle 163 350 kg 6 0,36 352 837 11,96 %
Strom 514 725 kWh 1 0,22 113 239 3,84 %
Wärmepumpe 68 911 kWh 1 0,22 15 160 0,51 %

 

Diagramm 6: Vergleich Anteil der Heizsysteme mit CO2 Ausstoßanteil

 

Die Ergebnisse zeigen, daß rund 30 % der Haushalte mit Öl heizen und damit rund 70 % des CO2 Ausstoßes verursachen. Dieser hohe Wert resultiert aus der Tatsache, daß der Anteil von Holz mit 0 % (CO2 neutral) in die Bilanz eingeht.

 

Warmwasseraufbereitung:

Im Sommer bereiten rund 50 % der Haushalte das Warmwasser über die Heizung auf und zu über 30 % mit Strom. Nur knapp 8 % nützen für die Aufbereitung eine Solaranlage. Im Winter erfolgt die Warmwasseraufbereitung fast ausschließlich über Heizung und Strom.

 

Diagramm 7: Kosten für Heizmaterial

Die durchschnittlichen Kosten die ein Haushalt in Markersdorf - Haindorf jährlich für Heizmaterial aufwendet betragen rund 11.700,-- ATS.

 

 

 

 

Stromverbrauch pro Haushalt

Der durchschnittliche Stromverbrauch pro Haushalt beträgt 5.629 kWh (exklusive Heizung), dadurch wird in unserer Marktgemeinde ein CO2 Ausstoß von 824.258 kg jährlich verursacht.

 

 

VERKEHR

 

PKW

 

Markersdorf/Haindorf

Österreich gesamt

Durchschnittsanzahl Auto / Haushalt

1,46

1,4

Durchschnittsanzahl Auto / Person

0,5

0,37

Durchschnittskilometer / PKW / Jahr

14.632 km

12.000 km

Durchschnittsverbrauch / PKW / 100 km

8,2 Liter

8 Liter

Durchschnittsenergieverbrauch / Auto / Jahr

12.000 kWh

10.000 kWh

CO 2 Ausstoß absolut in kg / Jahr

3.202.080 kg

rd 8 Mrd kg

 

Die durchschnittliche Anzahl der PKW pro Haushalt liegt bei 1,46 und ist damit leicht höher als der Durchschnittswert für NÖ.

 

Mopeds, Motorrad, Flugzeug, Bus, Bahn:

 

Rund 10 % aller Haushalte haben ein Moped und ebenso 10 % der Haushalte besitzen ein Motorrad.

 

Durchschnittskilometer / Person / Jahr mit dem PKW

7.316 km

81,00 %

Durchschnittskilometer / Person / Jahr mit Moped bzw Motorrad

130 km

1,50 %

Durchschnittskilometer / Person / Jahr mit der Bus

114 km

1,30 %

Durchschnittskilometer / Person / Jahr mit der Bahn

452 km

5,30 %

Durchschnittskilometer / Person / Jahr mit dem Flugzeug

935 km

10,90 %

GESAMT km / Person / Jahr

8.947 km

100,00 %

 

 

 

 

Summiert man alle von den Markersdorfern zurückgelegten Kilometern ergit das eine Distanz von 425 mal um den Äquator oder anders ausgedrückt würde eine Person 37 Jahre lang (Tag und Nacht) die Strecke St.Pölten-Markersdorf zurücklegen. (Rechnung: 8947 km x 1906 EW / 13 km Distanz nach St. Pölten x 15 min pro Fahrt / 60 / 24 / 365 = 37 Jahre). 

 

Ergebnis: CO 2 Ausstoß in Markersdorf Haindorf

 

 

CO 2 Ausstoß in kg

In Prozent

Heizung

2.950.393

42,29 %

Stromverbrauch

824.258

11,81 %

Verkehr

3.202.080

45,90 %

Gesamt

6.976.731

100,00 %

CO 2 Ausstoß pro Einwohner

3.660 kg / EW

 

Die Emissionsbilanz kann naturgemäß nicht alle Emissionen erfassen ( z.B. anteilige Emissionen aus der Industrie, dem Flugverkehr etc.).

 

 

Schlussbetrachtung:

Die Erstellung dieser CO2-Bilanz ist nun der erste Schritt konkrete Klimaschutzmaßnahmen in Angriff zu nehmen. Welche Maßnahmen für unsere Gemeinde am sinnvollsten sind, wird im Rahmen des Klimabündis-Arbeitskreises erarbeitet werden.

Mit der Fragebogenaktion haben wir aber bereits ein sehr wichtiges Ziel in der Bewußtseinsbildung erreicht. Wir haben den Klimabündnisgedanken vielen Gemeindebürgern u. –innen näher gebracht. Durch das Bearbeiten der Fragebögen hat eine Auseinandersetzung mit dem persönlichen Energiebedarf stattgefunden. Gleichzeitig wurden auch die mit dem Energieverbrauch verbundenen Auswirkungen auf unsere Umwelt mehr ins Bewußtsein gerückt.

 

Alexandra Huber, Johannes Kern, Heidi Thallauer